Kapitel II

2.2
Europas mythische Kinder

Nachdem Zeus Europa auf Kreta zurückließ, nahm der kretische König Asterion (namentlich also ein Sternenkundiger bzw. selbst astraler Natur) nach erster kinderloser Ehe Europa zur Gemahlin und deren Zeussöhne an Kindesstatt an.1 2 3

Herangewachsen, kam es unter jenen zum Wettstreit um den kretischen Thron. Sieger würde, wer das deutlichste Zeichen göttlichen Wohlwollens vorzuweisen hätte. Minos erbat daraufhin vom Meergott Poseidon eine Opfergabe. Der erhörte ihn, ließ einen reinen, weißen Stier von herrlichster Schönheit dem Meer entsteigen, den Minos ihm hernach wieder zu opfern versprach.4 Dank Poseidons überzeugender Gabe erlangte Minos den Thron in Knossos.5 6

Anders als diesem zugesichert, behielt Minos das edle Rind des Meergottes und opferte dafür ein Tier seiner Herde. Poseidon, über das gebrochene Wort erzürnt, ließ daraufhin in Minos Weib Pasiphae eine heftige Leidenschaft zu dem reinen Tier erwachen. In brennendem Verlangen befangen wandte die sich an den Athener Daidalos. Der kunstfertige Baumeister und Erfinder weilte gerade, wegen einer Verfehlung in Athen, auf Kreta im Exil. Daidalos fertigte eine hohle Kuhattrappe, worin verborgen sich Pasiphae auf der Weide mit dem göttlichen Rindsgeschöpf vereinigte. Neun Monate später gebar sie den Minotauros, halb Mensch unten, halb Stier oben herum. Dem gab man, wie dem ersten Kreterkönig, den Namen Asterios (latinisiert: Asterius) oder Asterion. Bekannter ist der jedoch als ’Minotauros’ – ‚des Minos Stier‘ (latinisiert: Minotaurus). Minos hieß Daidalos (latinisiert: Dädalus) einen Ausweg ersinnen, um das Geschöpf vor der Welt zu verbergen. Der schuf seinem Herrn ein Labyrinth mit so irren Windungen, dass sein Schöpfer selbst größte Mühe hatte, sich darin zurechtzufinden. Fortan hauste der Minotaurus im Zentrum jenes Labyrinthes, verborgen vor der Welt, in tiefer Finsternis.7

Rezeption:

Homer kennt in seiner „Ilias“ nur zwei Söhne der Europa: Minos und Rhadamanthys.8 Sarpedon besaß bei Homer mit Zeus zwar denselben Vater, aber eine andere Mutter. Er gehörte ursprünglich in den kleinasiatischen Mythenkreis um dessen Großvater Bellerophon. Jener tötete schon bei Homer („Ilias“ VI/155-183) und Hesiod („Theogonie“ 314-318) die Chimäre, bei der es sich mutmaßlich um eine kleinasiatische Symbolik für die Ekliptik handelt.9 Die Verknüpfung beider Mythenkreise über Sarpedon, offenbar erst nach Homers Zeit, erscheint wie ein gewiefter Schachzug der Mythographen. So verbanden sie, zumindest für ein verständiges Publikum, indirekt zwei einander hintergründig sinnverwandte Mythen, den um die Chimäre (Ekliptik) mit jenem um den Minotauros im Labyrinth (personifizierte totale SoFi auf der Ekliptik), ohne beide „Monster“ direkt miteinander zu konfrontieren. Üblicherweise wird jedoch argumentiert, Sarpedon stünde für eine kulturelle oder wirtschaftliche Verbindung zwischen Kleinasien und dem minoischen Kreta.

Wie auch immer! Der dem Meer entstiegene, „edle, reine, weiße Stier“ Poseidons ist nichts anderes als eine Metapher für eine kosmische Lichterscheinung. Die, spekulativ, über dem Reich Poseidons, also über dem lichtlosen Meer, besonders prachtvoll oder deutlich anzuschauen war. Letztlich passt die Analogie ausschließlich zum zodiakalen Sternbild “Taurus” als dem einstigen “Leitsternbild” im Zodiakos. (Das Sternbild selbst wurde möglicherweise schon in der Altsteinzeit entwickelt. Seine zodiakale Einordnung aber datiert frühestens in die Kupfersteinzeit, zunächst in Mesopotamien und Ägypten, bevor dieses zodiakale Sternenwissen auch nach Europa gelangte.) Die mythische Verknüpfung des “Lichtstiers” mit Poseidon statt mit Zeus könnte spekulativ zweierlei Gründe haben. Zum einen mögen die Mythographen damit einfach der Insellage Kretas Rechnung getragen haben. Zum anderen wirkt die nachtschwarze, glatte See bei Windstille als gigantischer Spiegel des nächtlichen Sternenreigen. Da Wasserscheiden auch als Sphärengrenzen galten, ließ sich mit dem im Reich des Poseidon gespiegelten, zodiakalen Sternenbogen höchst anschaulich der ekliptikale Kreislauf des “Zeus-Stiers” durch Ober- und Unterwelt metaphorisieren. Gleichsam würde der oberweltlich astrale Lichtgott zum eigenen, dämonischen Antagonisten in der finsteren, abyssalen Tiefe, respektive der Unterwelt. Eine perfekte Analogie zum mythischen Wechsel vom reinen, weißen Stier zum finsteren Minoaturos.10

Zur Bedeutung des Namens Sarpedon vermag ich nichts beizutragen. Zu Minos kann ich immerhin ein paar Vermutungen anstellen. Meines Erachtens muss es eine Beziehung zwischen dem kretischen Minos und dem mythischen ersten König Menes der Ägypter geben. Schon der Begründer der esoterischen Richtung der Anthroposophie Rudolf Steiner (1861-1925) sah in Minos und Menes eine indogermanische Wortwurzel für “Mann, Mensch” mit sinngemäßen Übertragungen wie “Stammvater” oder “Urahn”.11 Ob das etymologisch korrekt ist und beide Namen überhaupt indogermanischen Ursprungs sind, kann ich nicht beurteilen. Meiner Meinung nach besteht aber zwischen Minos und Menes ein überzeugender Bezug im astralen Bereich, der tatsächlich die Symbolik eines Urahns der Menschheit einschließen dürfte. (Siehe am Schluss dieses Abschnittes.) Nicht zuletzt spricht für eine solche Verbindung, dass sich die Minoer schon seit der Altpalastzeit nicht nur gern in technischer Hinsicht, sondern auch in astronomischen und kultisch-kosmologischen Dingen häufig an älteren ägyptischen Vorbildern anlehnten. Wenngleich sie diese fast ebenso regelmäßig ihren kulturellen Bedürfnissen und Vorstellungen entsprechend adaptierten.12

Rhadamanthys wird allgemein als eine namentliche Ableitung vom griechischen: rhaptos = Stab, in Verbindung mit mantis = Prophet/Wahrsager/Deuter/Geomant gedeutet. So etwa bei Robert von RankeGraves, demzufolge: „… Rhabdomantis, „Weissagen mit einer Rute oder Gerte.“ bedeutet.13 Rhadamanthys personifiziert demnach den kultisch-kosmologisch Wissenden/Weisen, der mit Hilfe eines Stabes orakelhaft-prophetische oder divinatorische Weissagungen traf. Möglicherweise rief man solche Weisen daher auch in Rechtsfragen an. Denn den Griechen galten scheinbar beide, Minos und Rhadamanthys, als weise Gesetzgeber und Gerechte.14 15 16 Weshalb man beide in den Mythen auch zu Richtern über die eingehenden Toten in der Unterwelt erhob.17 18 Vor einem solchen, wenn auch spekulativen Gedankenhintergrund wäre Rhadamanthys eher ein Metonym für Minos und umgekehrt. Die beiden Gestalten wären praktisch gegeneinander austauschbar. Was dann vermutlich auch für Sarpedon gilt.

Brinna Otto, dtsch. Archäologin, Jahrg. 1938 hingegen sieht (Was schon der griech. Historiker Strabon in seiner “Geographika” X/4.8 andeutete.) in ihrem Werk zur Kulturgeschichte des alten Kretas “König Minos und sein Volk” in Rhadamathys einen älteren, bereits vergöttlichten minoischen Herrscher, während Minos für sie als König von Kreta die protogriechische Herrschaftsübernahme durch die Mykener auf der Insel personifiziert.19 Dabei verweist sie auf den Marmor Parium, eine Königsliste, gefunden auf der Insel Paros, derzufolge Minos zw. 1462 und 1432 v. Chr. geherrscht haben soll.20 Zugleich verweist sie auf ägyptische Schriftzeugnisse, die auf ein mit Kreta verbundenes Staatengebilde Menus oder Minus hindeuten. Das parallel zu den in den Texten auch bezeichneten Kretern existierte. Zeitlich ergäben sich dabei gewissen Übereinstimmungen zwischen der oben genannten, älteren Datierung zu Minos im Marmor Parium, die in die Zeit des Pharao Thutmosis III. fiel und den entsprechenden Texten.

Wenn nun die drei “Brüder” im Mythos um den kretischen Thron wetteiferten, den Minos auf der Basis besonderen astronomischen Wissens für sich entschied, stellt sich für mich die Frage, was sich hinter solchen Gleichnissen verbergen könnte? Man bedenke in diesem Zusammenhang, Homer folgend, dass sich Minos neunjährig von Gottvater Zeus instruieren ließ (Nach StrabonsGeographika“, X/4.8, vor ihm schon Rhadamanthys). Wechselte vielleicht ein kultisch-religöses Führungsamt unter den kretischen Orakelpriestern, das eines obersten Kultvorstehers und Weissagers in Knossos, alle neun Jahre im Rhythmus des halben Saroszyklus? Musste sich der jeweilige Inhaber dieses Amtes spätestens nach neun Jahren seinen Herausforderern stellen, die allesamt der minoischen Oberschicht entstammten, daher im Mythos als “Brüder” galten, weil Gleiche unter Gleichen? Wurde das Amt in einer Art Orakelwettstreit um die eindrucksvollste oder erfolgreichste astronomische Vorhersage vergeben, deren Eintreten, bspw. das einer Finsternis, dann öffentlich überwacht wurde?

Immerhin! Etwas Derartiges würde die Existenz des rätselhaften Diskos von Phaistos erklären? Der war vermutlich ein astrokalendarisches Hilfsmittel, das in einem Archiv des alten Palastes von Phaistos verstaubte, weil sein Inhalt zum Zeitpunkt der Zerstörung des Palastes durch ein Erdbeben um etwa 1700 v. Chr.21 wahrscheinlich schon hoffnungslos veraltet war.22 All das, wie auch die minoische Stiersymbolik und viele andere Hinweise auf die Finsternisthematik in der minoischen Bilderwelt der Paläste und Landvillen erwecken jedenfalls den Eindruck, als ob die möglichst präzise Weissagung von Finsternissen eine bedeutende Rolle für die Oberschicht der Minoer spielte. Übte ein erfolgreicher Prophet vielleicht zugleich das Amt als weiser Rat- und Gesetzgeber oder Richter aus, weil er dem Anschein nach im direkten Kontakt mit den Göttern stand? So, wie im Mythos Minos und Rhadamanthys mit Zeus neunjährig Ratschlag hielten?

Konnte sich vielleicht ein mykenischer Minos deshalb in Knossos etablieren, weil er bereits das Wissen besaß, dass sich im Rhythmus des Saros zahlreiche Finsternisse voraussagen ließen, womit er die einheimischen minoischen Propheten allesamt in den Schatten stellte? Jedenfalls gibt es einige minoisch-mykenische Siegelringe – in einer spöttisch karikativ anmutenden Stilistik, wie sie Gewinnern der Geschichte eigen ist – die zeigen, wie gekrönte Herrscher auf der Ekliptik unter die Hufe des dahinstürmenden Himmelsstiers geraten. (Die Ekliptik stilisiert als himmlischer Bauwerksgrund oder als befestigter Himmelsweg – analog zur “Avenue” von Stonehenge auf dem der Stier galoppiert. Gelegentlich gepaart mit der ekliptikalen Symbolik von Seilbündeln als Motiv der Bahnknoten.) Das erweckt den Eindruck, als ob letzten Endes die vormals erfolgreiche minoische Elite über ihre eigene Religion gestürzt sei. Wegen mangelhafter prophetischer oder divinatorischer Fähigkeiten, wegen Festhaltens an völlig überholten Weltbildern und Kultvorstellungen oder ähnlichen, kultisch-religiös begründeten Missständen.

In der modernen rezipierenden Antikenliteratur wird die allein von ihrem Gatten Minos verschuldete Verfehlung der Pasiphae (Nach Karl Kérenyi namentlich: “die allen Leuchtende“.)23 gern moralisierend interpretiert. Das mag vielleicht ein Aspekt der antiken Mythenbildung gewesen sein. Die Mär von Pasiphaes tierischem Begehren allein darauf zu reduzieren, greift allerdings wesentlich zu kurz. Was schon jedermann deshalb einleuchten muss, weil dieses ‘Vergehen’ völlig konträr zur lichtbezogenen Bedeutung ihres Namens stünde. Der sodomitische Akt der Vereinigung mit dem “Lichtstier”, nach ethischen und moralischen Vorstellungen eine abartige, gleichsam ‘finstere‘ Verfehlung, ist eine rein kosmologische Analogie, die allein die Wandlung vom “Licht-” zum “Finsternisstier” fabulierend versinnbildlicht.

Dennoch entbehrt die Buhle der Pasiphae mit dem Stier auch in direkter Hinsicht nicht jeglicher Realität! Das Gleichnis stützt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf weit ältere Vorbilder in der Alten Welt. So lässt sich etwa in der ägyptischen Frühkultur bereits eine figürliche Vereinigung aus weiblicher Gottheit und Rind in prädynastischen fledermausärmligen Frauenfiguren ausmachen. Deren Arme beidseitig über den Kopf erhoben gleichsam wie ein Hörnerpaar spitz zulaufen. Idolfiguren, aus denen vermutlich die kuhgehörnten und kuhohrigen ägyptischen Himmelsgöttinnen Bat und Hathor entwickelt wurden.(Siehe hierzu auch Kapt. I Abb. 2b.) In diesem Zusammenhang ergäbe sich für Pasiphae ein zwiegespaltenes Wesen. Zum einen ihre archaische, chalkolithische oder gar neolithische Seite, die einen Bezug zum Zodiakallicht nahelegt und sich unter anderem an die älteren ägyptischen Vorbilder anlehnen mag, zum anderen eine deutlich jüngere, vermutlich ekliptikbasierte, daher frühestens bronzezeitliche Seite.

Pasiphae jedenfalls galt den Griechen als Tochter des Sonnengottes Helios und der dunklen Neumondgöttin Perse oder Perseis.24 25 Die zeugende Verbindung der Eltern lässt für Pasiphae als „die allen Leuchtende“ nur wenige Alternativen zu, was ihre Bedeutung angeht. Am nächsten liegt, sie personifiziert den jeweils oberirdisch sichtbaren Teil der Ekliptik tagsüber. Also jenen Abschnitt, den ihre Eltern, Sonne (Helios) und unsichtbarer Neumond (Perseis), tagsüber ‘vereinigt‘ durchwandern. Allerdings leuchtet die Ekliptik nicht selbst. Man müsste in dieser Auslegung also den tagsüber sichtbaren Weg der Sonne über den Himmel im übertragenen Sinne als ‘feurigen’ Pfad des Lichts interpretieren. Eine Metapher, die das Wissen vermitteln könnte, dass die Ekliptik als Pfad der Finsternisse identisch ist mit dem Jahreskreis der Sonne unter den Gestirnen. Alternativ wäre Pasiphae mit dem breiteren zodiakalen Himmelsstreifen beiderseits der Ekliptik zu identifizieren, in welchem sich der Neumond tagsüber zu bewegen vermag, ohne Rücksicht darauf, ob eine Sonnenfinsternis zustande kommt oder nicht. Darin käme wiederum ihre ältere, archaische Seite zum Tragen, die sie möglicherweise auch mit dem Zodiakallicht verbindet, das tatsächlich ‘leuchtet’ und über dessen Beobachtung erst der zodiakale Sternenstreifen die Aufmerksamkeit der Menschen etwa zeitgleich mit Erfindung der ältesten Schriftformen erlangt haben dürfte.

Die Vereinigung der Pasiphae mit dem Sternbild “Taurus” jedenfalls metaphorisiert die Erkenntnis des genauen Verlaufs der Ekliptik innerhalb der zodiakalen Sterne als kosmische Bahn der Finsternisse. Diese astronomische Erkenntnis der Menschheit symbolisiert zudem das Gleichnis vom Wandel des lichtweißen Stiers zum gehörnten Finsterling, welcher sich nach beider Vereinigung dem lichten Schoße der Pasiphae entrang. Die Frage, ob die zur Hälfte menschlich zur anderen Hälfte einem Stier gleichende Gestalt des Minotauros auch den Übergang von neolithischen Vorstellungen von einem von Rindern bewegten Kosmos hin zu den anthropomorph gestaltigen Himmelsgöttern der Bronzezeit metaphorisiert, bliebe zu diskutieren.

Daidalos, genialer Schöpfer des Labyrinths, personifiziert im antiken Mythos menschlichen Erfindergeist und Kunstfertigkeit per se. Sein Name ist, nach älterer lexikaler Darstellung bei Dr. Wilhelm Hebenstreit, eine Ableitung von „Daedala“, einer griechischen Kunstgattung geschnitzter hölzerner menschlicher Figuren in Bewegung.26 Heute würden wir vielleicht von Gelenkpuppen sprechen, die seinerzeit wohl vorwiegend als Muster oder Schablonen für bewegte Figuren in der Bildhauerkunst gefertigt wurden. Demnach versteht sich Daidalos namentlich aber als kein Geringerer denn als der mythische Erfinder zodiakaler Sternbilder, die gleichsam als ‘bewegte Figuren‘ am Himmel im Jahresreigen ‘tanzen’. Was sich sinngemäß mit seiner mythischen Erfindung des Labyrinths deckt. (Bezeichend ist, wie die Bedeutungen der Figuren im Mythos eng ineinandergreifen, hier etwa die von Daidalos, Pasiphae, Minos und dem Minotauros, wenn man sie durchweg im hintersinnig astronomischen Kontext analysiert.) Während also die mythische Figur des MinosAsterios eventuell auch als Europas Bringer zodiakaler Sternbilder gelten kann, wird mit Daidalos, als mythischem Erfinder des zodiakalen oder gar ekliptikalen Sternenreigens, dieser Erkenntnisschritt der Menschheit von antiken Mythographen mehr oder weniger griechisch, vielleicht auch nur attisch-hegemonial vereinnahmt.

Erst die Identifikation des Daidalos als mythischen Erfinder des zodiakeln Sternenreigens erklärt die folgenden Verse bei Homer sinnvoll, in der berühmten Schilderung des Schildes des Achill, den Schmiedegott Hephaistos im Auftrag von des Helden Mutter Thetis fertigte und von dem allgemein bereits angenommen wird, dass die geschilderten Bilder darauf astrokalendarische Allegorien sind:

Drauf einen Reigen schuf der berühmte, mit Armen Gewandte,
Jenem gleichend, welchen voreinst in Knosos, dem weiten,
Daidalos für Ariádne mit schönen Flechten geschaffen.

Homer: „Ilias“, XVIII/590-593,
Übersetzung Roland Hampe, Reclam

Wenn also Daidalos der Ariadne einen „Reigen“ ersann, sind damit die ständig umlaufenden, zodiakal im Kreis aneinanderhängenden Sternbilder gemeint, unter denen auch die Planeten agieren und zentral die zwei unsichtbaren Finsternisknoten. (Die Schildbeschreibung verweist an späterer Stelle auf Reigen wogend tanzender Jungen und Mädchen mit Analogien zu Sonne und Mond wie: “Schöne Kränze” und “Goldene Dolche an silbernen Gehängen”, sowie auf zwei zentral agierende Figuren innerhalb dieses Reigens. Das “Wogen” im Tanz erinnert bildhaft wieder an die sinusförmig erscheinenden Bewegungen des Zodiakos eingedenk Sonne und Mond in ihren Jahresbahnen. Verborgen im Hintergrund, im Zentrum des Zodiakos, aber in genau entgegengesetzter Richtung zu Sonne und Mond, laufen die beiden Finsternisknoten um.) Die antiken Griechen bemühten im Mythos demnach die Minoer als Erfinder ekliptikaler Sternbilder. Mag sein, dass die tatsächlich einige der späteren 48 klassischen Sternbilder der Antike entwickelt hatten. Ob die allerdings auch etwas zu den klassischen zodiakalen Sternbildern beigetragen hatten oder diese sämtlich im Zweistromland und am Nil entwickelt worden waren, vermag ich nicht zu beantworten.

Die weiter vorn erwähnte, ältere neolithische Analogie der körperlichen Vereinigung der Pasiphae mit dem Stier, die auch als Gleichnis zur prä- und frühdynastischen Entwicklung der ägypt. Göttinnen Bat und Hathor im späten 4. / frühen 3. Jt. v. Chr. begreifbar sein dürfte, lässt sich übrigens mit einer ähnlich frühen Einordnung ihres Gatten Minos vereinbaren. Der galt anscheinend den antiken Mythographen als jener kretische Urahn, der eben den ‘Himmelsstier’, das Sternbild “Taurus”, das reine weiße Tier des Poseidon, nach Europa brachte. Sinngemäß war Minos also jener Erste, der das Wissen um die zodiakalen Sternbilder von den östlichen Kulturen übernahm und in Europa einführte. Entsprechend müsste man seine Figur in der ersten Hälfte des 3. Jt. v. Chr. ansiedeln, da Sternbilder wie die Plejaden, der “Stier” und andere hier etwa ab Mitte des 3. Jt. v. Chr. nachweisbar werden.

Mindestens ebenso plausibel scheint dann aber auch folgender Gedanke, der mit diesem eng verflochten ist. Ihm liegt die auffällige namentliche Ähnlichkeit zwischen dem mythischen ägyptischen Urkönig Menes und dem kretischen Minos zugrunde. Beim ägyptischen Menes dürfte es sich um den archäologisch fassbaren König Narmer von Ägypten (um etwa 3000 v. Chr.) handeln, obgleich das unter Fachleuten wohl noch immer kontrovers diskutiert wird. Ich biete in diesem Disput folgende bedenkenswerte Option an. Der ägyptische Menes als auch der kretische Minos bezeichnen jeweils einen mythischen Urkönig und Kulturstifter, der sich jeweils astral im ältesten menschengestaltigen Sternbild, dem “Orion” manifestierte. Für den kretischen Minos leuchtet das sofort ein, wenn man diesen mit dem mythischen, minoischen Urkönig Asterios oder Asterion gleichsetzt. Der Name bedeutet doch gleichsam: ‘der Astrale’, meint also eine “Sternenfigur”, ein Sternbild. Seltsamerweise lässt auch Homer seinen Helden Odysseus während dessen Besuch in der Unterwelt, unmittelbar nach Erblicken des Minos als Richter in der Unterwelt, diesen auf Orion, den großen Jäger treffen. Ist das Zufall? Oder wusste Homer zumindest noch vage um die einstige Verknüpfung? Was auch jagte eigentliche Orion? Mythisch ist das eindeutig, alles jagdbare Getier! Astronomisch indes stellen sich die zwei folgenden Fragen: Stellte er verbotenerweise allen astralen Tierkreisbildern nach? Oder, was mir wahrscheinlicher deucht, jagte er den Finsternisstier, der ihm am Nachthimmel im rasenden Galopp entgegenstürmt? Ein Rätsel, das sich anhand der fünftausend Jahre alten Prunkpalette König Narmers von Ägypten definitiv lösen lässt.

Spätestens der frühdynastische König Narmer alias Menes aber erkor das Sternbild “Orion” zum astralen Abbild des Götterkönigs Horus in menschlicher Gestalt. Zugleich ließ sich Narmer auf seiner berühmten Prunkpalette um etwa 3000 v. Chr. selbst in der typischen Haltung des Sternbildes “Orion” mit zum Schlag erhobener Keule konterfeien. Was nicht verwundern sollte, gaben sich doch schon die frühen Könige selbst den Namenstitel Horus. Seither existiert in der ägyptischen Kultur das Bild vom zum Schlag bereiten Pharao, der alle Feinde Ägyptens eigenhändig vernichtet. Bis in römische Zeit prangte dieses “Schlagbild”, wie es der Ägyptologe Ludwig D. Morenz kurz und prägnant formulierte,27 28 an den Fassaden der großen Tempel im ganzen Land. Dieses Quasi-Abbild des “Orion” erinnerte also über Jahrtausende hinweg täglich mehr oder weniger auch an den ersten bedeutsamen König der ägyptischen Geschichte, der sich mit dem Lichtgott Horus und dessen astralem Abbild identifizierte. Es dürfte so auch in die minoische Kultur gelangt sein.

Vermutlich wussten selbst die ägyptischen Priester am Übergang zum Mittleren Reich schon nicht mehr genau, wer der geistige Schöpfer des astralen Gleichnisses war. Zu dieser Zeit, als der mythische König Menes erstmals Eingang in die schriftlichen Annalen fand, lag die Narmerpalette im längst vergessenen, oberägyptischen Hierakonpolis bereits unter dem Sand der Wüste begraben. Vielleicht, um nicht den Zorn aller anderen frühen Könige aus dem Jenseits auf sich zu ziehen, die man vielleicht unbewusst damit zurückgesetzt hätte, verzichteten die ägyptischen Priester absichtlich darauf, einen einzigen der den Königslisten zufolge durchaus noch namentlich bekannten frühen Könige direkt mit “Orion” zu verbinden und erfanden deshalb den anonymen “Urkönig Menes“, sinngemäß wohl ‘den Ersten’. Was auch deshalb seine Richtigkeit haben dürfte, weil zwar später der Unterweltsgott “Osiris” zum Götterkönig avancierte, was ihn astral ebenfalls mit dem Sternbild “Orion” verband. Nur wurde Osiris meines Wissens nie in der Pose des Erschlagenden dargestellt, war er dem Mythos zufolge doch selbst “der (von seinem Bruder Seth) mit der Waffe Erschlagene”. So jedenfalls bezeichneten nach Darstellung im “Reallexikon für Assyrologie” die akkadischen Sumerer Mesopotamiens im frühen 2. Jt. v. Chr. das Sternbild “Orion”. – Scheinbar nach ägyptischem Vorbild.29

Entscheidend nun ist, dass dieser prä- bis frühdynastische, ägyptische HorusNarmer-Menes in Gestalt des Orion auf der Narmerpalette nicht irgend jemanden zu erschlagen droht. Sein knieendes Gegenüber ist kein Geringerer als der von Lichtgott Horus (und damit auch durch Narmer) vollkommen entmachtete Finsternisgott Seth. Der logischerweise, wenn Horus im Bild astral als “Orion” erscheint, diesem frontal gegenüber, ebenso astral mit dem Sternbild “Taurus” identifiziert werden muss! Auch wenn er in der Bildszene auf der Narmerpalette zunächst in menschlicher Gestalt erscheint. Man beachte aber erstens, dass Horus-Narmer den Knieenden am Haarschopf gepackt hält und vergleiche dazu die sumerische Bezeichnung des Sternhaufens der Plejaden mit “za-ap-pu” übersetzt: “Haarbüschel”.30 Zweitens sei bezüglich Seth auf die Schminknapfseite der Narmerpalette verwiesen. Dort sieht man ihn im untersten Register, gleichsam in der Unterwelt, die von den Ägyptern weit entfernt im Westen verortet wurde, wie der in seiner Stiergestalt noch als vollkommen ungebändigter und offensichtlich potenter Finsternis- und Chaosgott mordend und Städte zerstörend unter den Fremdvölkern wütet. Wogegen er in der ägyptischen Mythologie im Kampf mit Horus seine Potenz einbüßte, quasi vom wilden Finsternisstier zum zahmen, braven Ochsen im Gefolge des Horus degradiert wurde.

Übertragen wir nun diesen prädynastischen, ägyptischen Urmythos vom Bruderzwist zwischen den Göttern Horus und Seth auf den mythischen Urkönig der Kreter, auf Minos-Asterios-Orion, steht auch der dem Sternbild “Taurus” am Nachthimmel direkt gegenüber. Genauer seinem Zögling Minotaurus, der gerade aus dem “goldenen Tor der Ekliptik”, sinngemäß aus dem Labyrinth auszubrechen droht. MinosAsteriosOrion und “Taurus” bilden also astral wie mythologisch völlig unzweifelhaft eine Einheit. Ergo gilt, nimmt man minoische Anlehnungen an ältere ägyptische Vorstellungen ernst: Menes = Orion = Minos.

Und so bewahrheitet sich vielleicht nach Jahrtausenden noch immer was sinngemäß schon die alten Ägypter über ihre schreibende Göttin Seschat erzählt haben mögen: ‘Sie ist es, die alle Taten aller Pharaonen unauslöschlich, für alle Ewigkeit festhält, auf dass sie ewig leben! Ihr Papyrus aber ist der samtene Nachthimmel. Ihre Lettern sind die ewigen Sterne.’

Was ihr eigenwilliger Kopfschmuck verrät. Der zeigt, einer geschweiften Klammer ähnlich, das Nordufer des “gewundenen Kanals” (Ekliptik) samt mittiger Passage zu den “Unvergänglichen des Nordhimmels” (Jene Sterne, zu denen alle Pharaonen als Söhne des Sonnengottes Ra aufstiegen.), unter dem krönenden Polarstern auf der Allachse – Symbol für die pharonische Architekturkunst nach den Sternen. Seschat also schreibt die Geschichte der Pharaonen in den Himmel, deren Nachfolger aber übernehmen diese Taten gleichsam mit jeder neuen Architektur nach den Sternen wieder in ihre Bauwerke. Ein ewiger Kreislauf!

Die Minoer, eventuell erst die Mykener, taten es offenbar den Ägyptern gleich und deuteten das Sternbild “Orion” als astrales Abbild eines mythischen Kulturgründers, der im Protogriechischen mit Minos vielleicht tatsächlich dieselbe Bedeutung hatte wie der ägyptische Meni (griech.: Menes). Hier passen also Astronomie, überlieferte Historie und Mythos wenigstens ein Stück weit zusammen, wenn auch im Detail noch erheblicher Forschungsbedarf zur Absicherung dieser Hypothesen sowohl in der Ägyptologie als auch in der klassichen Altertumswissenschaft (Antikenforschung) bestehen dürfte. (Vertiefendes zur ägyptischen Ikonographie und Mythologie um Horus und Seth anhand der Prunkschminkpalette König Narmers ist hier demnächst unter Kapitel VIII geplant.)

Footnotes

  1. Apollodor: “Mythische Bibliothek”, III/1/2. Back to footnote
  2. Diodor: “Historische Bibliothek”, IV/60-2. Back to footnote
  3. Hygin: “Fabeln”, 1.1 “Europa”, 178 Back to footnote
  4. Apollodor: “Mythische Bibliothek”, II/7 Back to footnote
  5. Vergl.: Apollodor: “Mythische Bibliothek”, III/1/3. Hier erlangt Minos mit dem Geschenk des Poseidons ohne Erwähnung der Brüder den Thron. Back to footnote
  6. Herodot: “Historien” I/173, erwähnt einen Streit zwischen Minos und Sarpedon. “Des Herodotos von Halikarnassos Geschichten”, F. W. Hendel Verlag, Naunhof und Leipzig, digital Projekt Gutenberg-DE, zuletzt eingesehen: 05.03.2025. Back to footnote
  7. Absatz sinngemäß nach Apollodor: “Bibliothek”, III/1/3 sowie Ovid: “Metamorphosen”, VIII/130-136, 154-168. Back to footnote
  8. Homer: Illias”, XIV/320-321. Back to footnote
  9. Schaut man sich unter Wikipedia die bronzene “Chimäre von Arezzo” aus dem 5./4. Jh. v. Chr. – Archäol. Nationalmuseum Florenz – genau an, erkennt man die offensichtliche Symbolik der Ekliptik in der Kreatur. Der Löwenkopf ist in Frontalansicht als Sonne stilisiert, als Taglicht. Über den Rücken verläuft ein “flammender” Haarkamm, der Pfad der Sonne durch den Tierkreis (griech.: Zodiakos). Der dort in der Körpermitte herausragende Ziegenkopf mit Hörnern symbolisiert den um die Ekliptik wankenden, nächtlichen Mond mit seinen Phasenwechseln (Ziegenhörner als Analogie für zu- und abnehmende Mondsichel.). Der seitlich leicht nach hinten geneigte Ziegenkopf deutet wahrscheinlich die rückläufige Bewegung des Mondes entlang der Ekliptik von West nach Ost im Monatsverlauf an. Statt eines Schwanzes windet sich ein schlangengleicher Drache im Bogen vom Hinterteil der Chimäre rücklings bis zur Körpermitte und endet dort in einem Schlangenkopf. Der Bogen erinnert ein wenig an unser Schlaufensymbol für die Mondbahnknoten. Denkbar scheint, der gegen ‘Mondziege’ und ‘Sonnenlöwe’ gewandte Drachenkopf mitten über dem Rückenkamm symbolisiert die Umlaufrichtung der Finsternisknoten entgegen dem Lauf von Sonne und Mond auf der Ekliptik. Möglicherweise hat die Ziege im Mittelteil der Chimäre obendrein gleichnishafte Bedeutung für die horizontischen Übergangsbereiche zwischen Ober- und Unterwelt bzw. zwischen Tag und Nacht. Immerhin ist der Mond zuweilen auch tagsüber zu beobachten, die Sonne nachts aber nie. Als Tier des Gebirges könnte die Ziege ebenso eine Erinnerung sein an die Zeit, als man sich den Weltenrand noch als mächtiges Randgebirge vorstellte. Als Symbol des sphärischen Übergangs wäre ihr flammenspeiend gedachter Kopf dann Gleichnis für das flammende Morgen- und Abendrot, das unter anderem in der mythologisierten ägyptischen Kosmologie um die tägliche Reise des Sonnengottes durch die Unterwelt große Bedeutung hatte. Wohl nicht ganz grundlos hatten auch Griechen und Römer für Morgen- und Abendrot eigenständige Götter entwickelt. Einen wie auch immer gearteten Zusammenhang zwischen Weltenrandgebirge und feuerspeienden Vulkanen, beispielsweise als direkte Verbindung zwischen Ober- und Unterwelt im Sinne eines Höllenschlundes, will ich bei der capriden Symbolik aber auch nicht ausschließen. Back to footnote
  10. Eine vergleichbare, unterweltliche Einordnung des Zeus findet sich im Übrigen bei seiner mythischen Vereinigung in Schlangengestalt mit der eigenen Tochter, der späteren Unterweltskönigin Persephone. Der, wie bei Pasiphae ethisch verwerflichen Vereinigung, ensprang das zunächst dämonische Kind Dionysos-Zagreus, das von Titanen auf Heras Geheiß zerrissen wurde. Bedeutsame Metapher dabei ist wiederum ein Spiegel. Mit diesem gelang es den Titanen, das Kind aus seiner bewachten Höhle in greifbare Nähe zu locken. Sinn dessen scheint mir zu sein, dass das Kind scheinbar fasziniert in der Spiegelung der eigenen unterweltlich-dämonischen Natur gewahr wurde und die dem Tartaros, also ebenso der Unterwelt entstammenden Titanen nicht fürchtet. Erst nach zweiter Geburt und seiner Austragung im Schenkel des Zeus, quasi geläutert von seinem zwielichtigen Ursprung als Zagreus, wird Dionysos zum tragbaren Gott für die antiken Griechen. Was einmal mehr die gewaltigen Ambivalenzen andeutet, die mit dieser bis heute mysteriös gebliebenen Gottheit von Beginn an verknüpft waren. Immer behielt Dionysos neben seiner lebensbejahenden eine chthonisch zerstörende Seite. Beides verband auch ihn sinngemäß sowohl mit dem mythischen Lichtstier wie mit dem finsteren Minotaurus. Seine schattengleiche Seite berechtigte ihn im kretischen Mythenkreis letztlich, dem Lichtheros Theseus, trotz dessen Sieg über den Minotauros, die kretische Prinzessin Ariadne als Weib auszuspannen. Back to footnote
  11. Anthrowiki.at – Stichwort: “Minos” Back to footnote
  12. Vergl. u.a. J. Lesley Fitton: “Die Minoer”, Theiss, Stuttgart 2004, S. 87, re. Sp. oder Brinna Otto: “König Minos und sein Volk – Das Leben im alten Kreta”, Artemis & Winkler, Düsseldorf/Zürich 1997, Neuauflage 2000, ppb, S. 269-271. Back to footnote
  13. Robert von Ranke-Graves: “Griechische Mythologie – Quellen und Deutung”, Überstzg. Hugo Seinfeld, Rowohlts Enzyklopädie, rororo, ppb, 7. Aufl., Oktober 2007, 88.8, S. 270 o. Back to footnote
  14. Platon: “Minos”, 318 – 321, Übersetzung: Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, Akademieverlag Berlin, 1985, digitalisiert: “Projekt Gutenberg-DE” Platons Werke. Erster Teil. Back to footnote
  15. Nonnos: “Dionysiaka”, XIX/189, 190. Back to footnote
  16. Strabo: “Geographica”, Überstzg. u. Anmerkg. Dr. A. Forbiger, 2. korrig. Aufl. 2007, X/4.8. S. 692 Back to footnote
  17. Homer: “Odyssee”, XI 568-571. Back to footnote
  18. Vergl. auch R. v. Ranke-Graves: “Griechische Mythologie”, Rowohlt, ppb, 17. Aufl. 2007, 88.i, S. 267. Back to footnote
  19. Vergl. Brinna Otto: “König Minos und sein Volk”, Artemis & Winkler, 1997, Neuaufl. 2000 ppb, S. 54/55. Back to footnote
  20. Quelle Wikipedia, Stichwort: “Marmor Parium”, zuletzt eingesehen 14.10.2025. Back to footnote
  21. J. Lesley Fitton: “Die Minoer”, Theiss, Stuttgart 2004, S. 26, li. sp. m. Back to footnote
  22. Im gleichen Zusammenhang sei an die bronzene Gussform aus Paleikastro auf Kreta erinnert, der sich das Wissen der Kreter um den Saroszyklus entnehmen ließ. Sie kennzeichnete, als Beleg für vielfach duplizierbare Wissensspeicher seinerzeit eine Zukunftstechnologie, der gegenüber die aufwändige Herstellung und Beschriftung des Tondiskos von Phaistos geradezu antiquiert erschienen sein muss. Man bedenke nur das zeitraubende Schneiden der fast vier Dutzend benötigten Diskosstempel mit unterschiedlichem Motiv, die vermutlich aus Stein waren. Hinzu kam die Vorbereitung des Tondiskus mit beidseitiger Spiral- und Felderstruktur. Für die verständliche ‘Beschriftung’ mit den Stempelbildern bedurfte es vermutlich fast schon hellseherischer Fähigkeiten. Es handelt sich ja meiner Auffassung nach nicht um einen alphabetisch oder syllabisch lesbaren Text, sondern um astrokalendarisch bedeutsame Ideogramme und Gleichnisse. Deren Reihenfolge, bspw. für den Sternenreigen im Jahreslauf im Zodiakos mit kalendarischen Fixpunkten des Sonnen- und Mondlaufs, der Himmelseinteilung, möglicherweise Angaben zum retrograden Knotenumlauf, erhebliche Schwierigkeiten bereitet haben mussten, um das gesamte ideographische Werk dennoch logisch geordnet und verständlich zu halten. Zumindest spekulativ scheint mir möglich, dass die Technik des Bronzegießens in wiederverwendbaren Formen im 17. Jh. v. Chr. auch auf Kreta zumindest bekannt war. Back to footnote
  23. Karl Kérenyi: “Die Mythologie der Griechen – Die Götter und Menschheitsgeschichten”, dtv, 23. Aufl. 2003, S. 88 u. Back to footnote
  24. Apollodor: “Bibliothek”, III/1/2. Back to footnote
  25. Was im Übrigen den nach Homer ‘allerfahrnen’ Äetes, den König von Kolchis am Schwarzen Meer – jener mit dem ‘goldenen Vlies’ der Argonauten – und die Zauberin Kirke, die Odysseus Mannen auf ihrer Insel temporär in Schweine verwandelte, zu Geschwistern der Pasiphae macht. Vermutlich gilt dieses anthropomorphe Trio der griechischen Mythologie, ähnlich wie die tierische Triade der mutmaßlich kleinasiatischen Chimäre, als Verkörperung des dreigeteilten Ekliptikkreises bzw. des Zodiakos, mit Tagbogen, Nachtbogen und unterweltlich verborgenem Abschnitt. Back to footnote
  26. Dr. Wilhlem Hebenstreit: “Wissenschaftlich-literarische Encyklopädie der Aesthetik. Ein etymologisch-kritisches Wörterbuch der ästhetischen Kunstsprache”, Stichwort: Daedala, Wien, Gerold, 1843, digitalisiert, books.google.de Back to footnote
  27. Ludwig D. Morenz: „Anfänge der ägyptischen Kunst“, S. 110, IBAES, 2014 (Quelle online https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/135397/1/Morenz_2014_Anfaenge_der_aegyptischen_Kunst.pdf Back to footnote
  28. Ludwig D. Morenz et al: „Binnenkolonisation am Beginn des ägyptischen Staates – Eine Fallstudie zur Domäne des Königs SKORPION im späten Vierten Jahrtausend v. Chr.“, KATARAKT 1, EB Verlag, Berlin 2020, Beischrift zur Abb. 3a-g S. 16. Back to footnote
  29. Laut „Reallexikon der Assyrologie und Vorderasiatischen Archäologie“, Bd. 3, “Fabel – Gyges”, Hrsg.: Dietz Otto Edzard, begründet von: E. Ebeling, B. Meissner, fortgef. von: E. Weidner, u.a., Walter de Gruyter, Berlin 1971 – werden unter dem Stichwort: „Fixsterne“, S. 73, re. Sp. o., neun Sternbilder zitiert, aus einem Gebet an die Götter der Nacht, etwa aus der Zeit König Hammurapis (ca. 18. Jh. v. Chr.), darunter: „ … „za-ap-pu“ „Haarbüschel“ (Plejades), … , „ši-ta-ad-da-ru-um“ „der mit der Waffe Erschlagene“ (Orion), …“,. An gleicher Stelle, S. 73, li. Sp. unter 2.c wird für „Orion“ noch die aus der Ur-III-Periode (ca. 21. Jh. v. Chr.) stammende, sumerische Bezeichnung: „…, msipa-zi-an-na „getreuer Hirte des Himmels“ (Orion), …“ angegeben. (Anmerkung: Das hochgestellte m steht für mul, sumerisch: Stern). Letztere Bezeichnung erinnert wiederum an die alte ägyptische Vorstellung vom Götterkönig Horus, dem gleichsamen “Hirten” kosmisch-göttlicher Heerscharen. Wobei sich die “Hütefunktion” des “Orions” auf den ihm direkt benachbarten Sternenkreis innerhalb des Zodiakallichts bezogen haben dürfte, insbesondere auf den Himmelsstier ihm direkt frontal gegenüber. Back to footnote
  30. Etzard, Ebeling, Meissner; Weidner, ebenda: “Reallexikon der Assyrologie. S. 73 re. Sp. o. Back to footnote

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