
Abb. 7: Gavrinis, Orthostaten 19, 20 und 21 (von rechts). Erst das von links durch den Eingang einfallende Taglicht lässt die kraftvolle Ornamentik aus konzentrischen Mustern deutlich hervortreten. Bei geschlossener Eingangstür, während des Vortrags der Führung, werden die Wandsteine bis auf wenige Ausnahmen lediglich marginal mittels Lichtleiste entlang der Steinbasen erhellt. Das schwache Licht gestattet dem Besucher kaum bis gar nicht, sich der geballten Wuchtigkeit der dekorativen Innengestaltung bewusst zu werden. Daran ändert die punktuelle Beleuchtung des Dekors mit einer Taschenlampe durch die Guides wenig.
Man mag die im vorangestellten Abschnitt VI/1 angeführten kalendarischen Zahlenspiele anhand der Anzahl Orthostaten im Gang und in der Kammer noch als einfältig belächeln. Folgende Betrachtungen zu Wandstein Nr. 21 dürfte allerdings selbst Skeptikern solcher Zahlentheorien Stoff zum Grübeln darüber liefern, ob man all das einfach als reinen Zufall abtun kann! Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der in den vorangestellten Kapiteln bereits offenbarten Theorien zum Thema: ‘neolithisches Finsterniswissen’.
Das Dekor der dreizeiligen Motivbotschaft auf Wandstein Nr. 21 wirkt zwar, wie gesagt, monoton (Kapt. VI/1 Abs. 14). Tatsächlich zeigt es aber, recht modern anmutend, einen Binärcode! Heute vermögen wir das gesamte Wissen der Menschheit in variierenden Sequenzen aus Nullen und Einsen maschinenlesbar auszudrücken. Was wir für modern halten, praktizierten jedoch Menschen nun schon vor fünf bis sechs Jahrtausenden auf ähnliche Art in Gavrinis. Natürlich nicht digital, sondern analog, ausgeführt bildhaft in Stein. Dennoch! Eingedenk ihrer zeitgemäßen Fähigkeiten schufen sie mit den drei Zeilen binärer Infothek nicht minder Beeindruckendes! – Ein Kompendium des Finsterniswissens ihrer Zeit. Dafür nutzten sie, wie wir heute, variable Gruppierungen der Zeichen als numerische Informationsträger.

Das Arrangement der Beilklingengravuren in den drei Zeilen ist auffällig! Es drängt dem forschenden Blick förmlich seine numerische Relevanz auf. Dazu zählt bereits die klare horizontale Segmentierung in drei Zeilen. Betrachten wir die obere Zeile, resultiert dort aus einem eigens dafür genutzten, natürlichen Verwurf im Stein eine deutliche Lücke, welche die Beilklingenmotive grob gruppiert in die Werte „3“ und „4“. Wegen der absichtlichen Zeilenschreibweise folgt zwingend auch deren Summe „7“. Zeile zwei gibt, mangels einer vergleichbar auffälligen Strukturierung, mit fünf Motiven nur den Wert: „5“ her. Gleiches gilt für die untere Zeile. Hier bleibt es beim Wert „6“. Insgesamt resultiert aus den erhaben belassenen Beilklingenmotiven der Wert “18”. Ein durchaus bekannter Wert, der uns in den vorangestellten Kapiteln schon mehrfach beschäftigt hat. Was natürlich die Frage aufwirft, tritt der Summenwert hier eher zufällig auf? War der Absicht? Trifft Letzteres zu, wofür steht der Wert hier?

Intuitiv möchte man meinen, in der mittleren Zeile hätten rechts (Rote Markierung. Vergl. auch Foto oben.) zwei weitere Motive Platz finden können. Zwar ist auf dem originalen Wandstein dieser Bereich größtenteils mit der von mir nur rechts daneben angedeuteten, vertikalen Fiederung überprägt, die hier bis an die mittlere Zeile der fünf gleich orientierten Motive heranreicht. Dennoch blieb dieser Bereich, gegenüber jenem mit der vertikal durchgängig verlaufenden Fiederung, deutlich erhaben stehen. Das vertikal verlaufende, gefiederte Muster verläuft praktisch in einer Rinne, welche die erhabene Fläche der Keilmotive rechts begrenzt. Die Beantwortung der Frage, ob es sich hier um einen natürlichen Niveauunterschied oder um eine künstlich herbeigeführte Abstufung in der Steinoberfläche handelt, wäre für eine künftige, wissenschaftlich abgesicherte, ikonologische Expertise sicher von Vorteil. Hatten die Steinmetze im rot markierten Bereich absichtlich auf die Darstellung weiterer Motive verzichtet? Eine Frage, die sich auch deshalb stellt, weil mit zwei weiteren, keilförmigen Motiven an dieser Stelle das Gesamtbild der Formation viel gefälliger erschienen wäre. Dann hätte sich am rechten Rand wahrscheinlich eine harmonische Abstufung der Zeilenbreiten von oben nach unten ergeben. Inhaltlich hätte das unter Umständen ebenfalls Sinn machen können. Was ich weiter unten ausführen will.
Neben ihrer Zeilenstruktur prägt die Formation eine praktisch durchgängige Motivpaarung. Die lediglich zweimal, mittig in der oberen Zeile sowie wegen der ungeraden Anzahl Motive in der zweiten Zeile und des Wechsels zwischen erster und zweiter Zeile, ausgesetzt scheint. Doch ließ man die Motive beiderseits der jeweiligen Trennung einzeln stehen. Sinngemäß bilden also auch diese vier Motive über ihre Trennung hinweg Paare.
Schließlich lässt sich links oben eine Dreiergruppe, links unten ein Paar von Motiven differenzieren, die gegenüber allen anderen um 180° gedreht stehen. Was den eigentlichen binären Code ausmacht! Trotz monographischer Zeichensprache wären die auf den sechs Zahlenwerten “3”, “4”, “5”, “6”, “7” und “18”, auf der dualen Orientierung der Zeichen, die auf der Zeilenschreibweise und den Paarungen basierenden Variationsmöglichkeiten für eine auf Zeichenmengen gelagerte, informelle Botschaft damit erstaunlich komplex einzuschätzen!
Genau genommen müsste das Basiszahlenwerk noch deutlich erweitert werden, wollte man die jeweiligen Mengenwerte der drei Zeilen: 3, 4, 5, 6 und 7 miteinander kombinieren zu den Summen: 8, 9, 10, 11, 12 und 13. Schließt man auch noch die Möglichkeit ein, die beiden Teilwerte der oberen Zeile mit der Summe 11 der Zeichenmengen aus Zeile zwei und drei zu kombinieren, kommen auch noch die Werte 14 und 15 dazu. Es ergäben sich allein aus den Additionsmöglichkeiten praktisch alle Zahlen von drei bis Fünzehn nebst Gesamtsumme achtzehn. Fast möchte man meinen, der Urheber der drei Motivzeilen wollte sein grundlegendes Zahlenverständnis darlegen, das sicher auch die beiden kleinsten Zahlen Eins und Zwei einschloss und – so würde ich vermuten wollen – wenigstens bis Zwanzig gereicht haben dürfte. Diese erneute Spielerei der additiven Mengenfügung mag manchem suspekt sein, weil willkürlich. Das Problem ist jedoch, wir wissen praktisch nichts über das mathematische Grundwissen der Menschen in den schriftlosen Kulturen Europas. Bieten sich also Möglichkeiten entsprechende Einblicke zu erlangen, sollten die auch genutzt werden. Diese einfach zu ignorieren wie bislang durch viele Fachwissenschaftler, aus Angst vor den resultierenden, spekulativen Möglichkeiten, kann jedoch keine Lösung sein. Sie dagegen akribisch zu erfassen, systematisch untereinander über kulturelle Grenzen und zeitliche Entwicklungen hinweg akribisch zu verfolgen und zu vergleichen, um so grundlegende Prinzipien in den prähistorischen Mengendarstellungen auf der Basis begleitender ikonographischer oder ideographischer Erkenntnisse herauszufiltern, würde dagegen der Vorgeschichtsforschung gut zu Gesicht stehen. Auch hierin sähe ich daher eine geeignete Forschungsrichtung der archäoastronomisch basierten Ikonologie. Astronomie und Kalenderrechnung bilden eine der wesentlichen geistigen Grundlagen für die damaligen ideographischen Aufzeichnungen. KLassen sich aber methodisch Symbole, Mengenzeichen und Ideogramme innerhalb prähistorischer Bild- und Bauwerke voneinander differenzieren, werden die ideographischen Elemente darin verständlich und damit letztlich eben auch die mengenzeichenbasierte prähstorische Mathematik und Zahlenkunde.
Basis meiner ikonologischen Betrachtung zur Zeichenformation sind folgende drei wesentliche Faktoren: 1. die durchgängige Paarung der Motive, 2. ihre Gesamtzahl „achtzehn“, 3. die Dreizeiligkeit. Dreizeiligkeit, mit drei mal sechs Spiralmotiven, begegnete uns bereits in Kapt. III/2.1 im oberen Register auf einer der Sandsteinstelen von Mykene, die Heinrich Schliemann 1876 aus dem “Gräberrund A” bergen konnte. Dort ließ sich die Spiralenformation in Verbindung mit der himmlischen Kampfwagenszene im unteren Register sinnvoll mit dem achtzehnjährigen Saroszyklus erklären.
Nun datiert das mykenische Gräberrund etwa in das 16. Jh. v. Chr. Die Gravuren auf Wandstein Nr. 21 in Gavrinis dürfte wenigstens zweitausend Jahre älter sein! Es scheint irrwitzig, hier eine adäquate inhaltliche Bedeutung annehmen zu wollen. Dennoch! Die beiden zuvor analysierten, dekorierten Steinäxte aus der Salzmünder Kultur haben gezeigt, schon im 4. Jt. v. Chr. in Europa existierte durchaus bemerkenswertes Finsterniswissen. Nicht ausschließen läßt sich daher die Möglichkeit, dass wir es auf Wandstein Nr. 21 mit einer zeitgemäßen, älteren Variation zum gleichen Thema zu tun haben. Geht es vielleicht um Jahre mit drei Finsternisfenstern?
Selbst, wenn wir zunächst nur die einfache Möglichkeit unterstellen, es ginge in der dreizeiligen Botschaft nicht um einen achtzehnjährigen Zeitraum, sondern allgemeiner um Jahre mit drei sich binnen Jahresfrist öffnenden Finsternisfenstern, resultiert eine ebenso logische wie in ihrer Progressivität verblüffende Erklärung für die Formation der achtzehn Beilklingenmotive! Die Motivgruppen in jeder der drei Zeilen korrelieren, bei fortlaufender “Lesung”, mit den drei Variationen real maximal möglicher Finsternisse in einem jener Ausnahmejahre mit gleich drei Finsternisfenstern! Wobei zwingend eine damals im Mittel veranschlagte Jahreslänge von rund 365 Tagen unterstellt werden muss.
Die Betonung liegt dabei ausdrücklich auf „mögliche Maximalzahl“! Es geht hier keinesfalls um seinerzeit real binnen Jahresfrist beobachtete und aufgezeichnete Finsternisereignisse! Die drei Zeilen vermitteln, und das erneut recht modern anmutend, die über Generationen, vermutlich im weiträumigen Austausch im gesamten megalithisch geprägten Europa angesammelten, finsternistheoretischen Erkenntnisse der Neolithiker im vorzeitlichen Aremorika. Jede Zeile weist eine zahlenmäßige Variation möglicher Eklipsen aus, wie sie sich nur in den besonderen Jahren mit jeweils drei Finsternisfenstern ergeben kann, und zwar weltweit!
Eine Erkenntnis, die – wenn sich denn meine nachfolgenden Interpretationen dazu erhärten lassen – nur Generationen von neolithischen Himmelsweisen über anhaltende, systematische Beobachtungen und weiträumigen, regelmäßigen und anhaltenden Austausch zu den Finsternisereignissen erringen konnten. Wozu ferner, daran scheint mir kein Weg vorbeizuführen, Aufzeichnungen von Finsternisereignissen aller Art über ebenso lange Zeiträume hinweg erforderlich gewesen sein müssen, um sie letzten Endes in der hier nötigen Art und Weise systematisch auswerten zu können. Auswertungen, in denen man sich damals schlussfolgernd gefragt haben musste: “Welche Abfolge von Finsternissen sind theoretisch in einem Finsternisfenster, nach dem, was sich praktisch beobachten ließ, möglich? (Beispielsweise sind im gleichen Finsternisfenster nie eine totale Mond- und eine zentrale Sonnenfinsternis zu beobachten. Wenn eine Sonnenfinsternis zentral ausfällt, ist entweder nur beim Vollmond davor oder beim Vollmond danach eine beobachtbare partielle Finsternis möglich, bei welcher der Mond zumindest teilweise in den Kernschatten der Erde eindringt, nie zu beiden Vollmonden. Eine zentrale Mondfinsternis kann dagegen beim vorangehenden als auch beim nachfolgenden Neumond von je einer partiellen Sonnenfinsternis begleitet werden.) Welche zeitlichen Abstände bestehen zwischen den Zeitfenstern der Eklipsen? Wie lange dauert ein solches Zeitfenster? Wie viele Finsternisse sind demnach binnen dreier solcher Finsternisfenster in 365 Tagen möglich?” Dabei dürfte es damals ausschließlich um erkennbare Kernschattenfinsternisse gegangen sein. Halbschatten- und partielle Halbschattenfinsternisse des Mondes sollten seinerzeit kaum eine bzw. gar keine Rolle gespielt haben.

Maximal sind unter diesen Voraussetzungen weltweit binnen 365 Tagen sieben Eklipsen möglich. Naheliegend scheint, dass uns das die obere Zeile vermitteln soll mit insgesamt sieben Beilklingenmotiven. Davon entfallen in dieser ersten Version drei auf die relativ seltene, damals kultisch vielleicht höchst brisante Konstellation von je einer totalen Mondfinsternis pro Fenster. Das heißt, drei “Blutmonde” ereignen sich im gleichen Jahr. Wobei die freilich nicht allesamt auch zentral ausfallen. Diese drei totalen Mondfinsternissen sollten die drei linken Beilklingenmotive mit den abwärts weisenden Schneiden symbolisieren. Tatsächlich lassen sich zuweilen alle drei totalen Mondfinsternisse über einem größeren Gebiet wie Europa beobachten, wenn auch nicht immer über die gesamte Totalitätsphase hinweg. Grund ist, dass der Mond für manche Beobachter auf der Nachthälfte der Erde schon verfinstert auf-, für andere noch verfinstert untergehen könnte. Was beispielsweise für die drei in naher Zukunft aufeinanderfolgenden, totalen Mondfinsternisse gilt, von denen sich die erste nur wenige Stunden vor dem Jahreswechsel 2028/2029 ereignet, die nächste im Juni 2029 und die dritte Dezember 2029. Wir schrammen daher nach heutigem Kalender 2029 ganz knapp an einer Siebenerkonstellation der Finsternisse vorbei, da in 2029 auch vier partielle Sonnenfinsternisse erwartet werden.1 Die vier Keilmotive rechts in der oberen Zeile stehen folglich für die bis zu vier im selben Jahr mit drei totalen Mondfinsternissen maximal möglichen, überwiegend partiell ausfallenden Sonnenfinsternsse.2
Wie gesagt, sind mehr als sieben Finsternisereignisse binnen 365 Tagen weltweit nicht drin. Die zeitlichen Abstände in und jene zwischen den Finsternisfenstern bedingen, dass bereits ein achtes Finsternisereignis stets in das vorausgehende oder das nachfolgende Jahr fallen muss. Das gilt auch für die Betrachtung der folgenden mittleren Zeile der Beilklingenformation auf Wandstein 21.
Im Gegensatz zur oberen Zeile, die inhaltlich für sich steht, müssen die Zeichen der mittleren und unteren Zeile vermutlich sowohl für sich, als auch im Zusammenhang “gelesen” werden! Was ich folgendermaßen, unter Vorbehalt, erklären wollen würde. Die fünf gleich orientierten Keilmotive der mittleren Zeile könnten für eines der ausgenommen seltenen Jahre stehen, in denen gleich fünf Sonnenfinsternisse eintreten. Was mir allerdings nicht klar ist, ob es tatsächlich in der Vergangenheit jemals vorkam, dass in einem solchen extremen Ausnahmejahr keine einzige Kernschattenfinsternis des Mondes beobachtet werden konnte. Die mir zugänglichen und für mich verständlichen Auflistungen aller Eklipsen zwischen 19. und 22. Jh. (Siehe Ende der Seite.) weisen nur zwei Jahre mit fünf Sonnenfinsternissen (1804 und 1935) aus, für die jeweils auch zwei totale Mondfinsternisse verzeichnet sind. Sind also allein fünf solare Eklipsen im gleichen Jahr ausgeschlossen, weil immer wenigstens zwei bzw. maximal zwei Kernschattenfinsternisse des Mondes hinzukommen, ist die mittlere Zeile in Verbindung mit den beiden linken Motiven der unteren Zeile zu “lesen”. Die kopfgestellten Motive symbolisieren dann jene zwei Kernschattenfinsternisse des Mondes, womit sich erneut die Gesamtzahl von sieben Eklipsen binnen 365 Tagen ergäbe.
Die untere Zeile ist aber auch in sich abgeschlossen sinnvoll zu “lesen”. Sie verweist auf die kaum weniger spektakuläre Variante von zwei Mond- und vier Sonnenfinsternissen, zusammen immerhin noch sechs Eklipsen in einem Jahr.3
Tatsächlich also weist uns die dreizeilige Botschaft nicht nur lapidar auf das Phänomen gelegentlicher Jahre mit gleich drei Finsternisfenstern hin. Sie vermittelt uns zugleich das neolithische Wissen über die Extremjahre mit den variierend, maximal möglichen Anzahlen an Eklipsen! Die besonders ereignisreichen Jahre, was die Kernschattenverfinsterungen von Sonne und Mond anbelangt, wiederholen sich prinzipiell im Abstand der sechs oder sieben verschiedenen Saroszyklen zueinander, denen jede einzelne der sechs bis sieben Eklipsen desselben Jahres angehört. Logischerweise wiederholen sich demzufolge auch solche besonders ereignisreichen Jahre häufig im rund achtzehnjährigen Rhythmus. Da jedoch bis zu vierzig Saroszyklen ständig parallel zueinander verlaufen, kommt es zu Überschneidungen. Der Maximalabstand zwischen Jahren mit drei Finsternisfenstern wäre demnach der Zeitraum der rund achtzehn Jahre des Saroszyklus. Wegen der Überschneidungen mit anderen Serien dieser Art, kann sich der Zeitraum auch drastisch verringern. Betrachtet man ausschließlich Jahre mit sechs bis sieben Eklipsen, sind gelegentlich über längere Zeiträume hinweg Wechsel von achtzehn und elf Jahren zu beobachten. (Siehe hierzu Tabellen 1 und 2 mit den Erläuterungen am Ende des Abschnitts.)
Nun dauern Saroszyklen ja keine ganze Zahl von Jahren, sondern achtzehn Jahre und im Mittel elf Tage. Das heißt, allmählich verlagern sich die Zyklen, sodass gelegentlich eine der sechs bzw. sieben Finsternisse in das nächste Jahr fällt. Ebenso hört zuweilen einer der Zyklen auf bzw. beginnt ein neuer. Weil das so ist, variiert die Anzahl der Finsternisse in den Jahren mit gleich drei Finsternisfensterns meist zwischen drei und sieben Eklipsen (Siehe Tabellen unten.). Ob das ebenfalls mit der oberen Zeile gemeint sein könnte, muss dahingestellt bleiben. Genauso offen ist natürlich die Frage, ob alle achtzehn Motive in ihrer Summe für die Zeiteinheit Jahr stehen. Das liegt zwar daurchaus nahe, lässt sich aber kaum beweisen. Sollte diese hypothetische Annahme dennoch Anklang finden, wäre auch darüber nachzudenken, ob dann die Summe der Motive von mittlerer und unterer Zeile, separat betrachtet, für das damalige Wissen um jene kürzeren Sprünge von gelegentlich nur elf Jahren zwischen sechs oder sieben Eklipsen binnen Jahresfrist stehen. Was natürlich ein plausibler Grund dafür gewesen wäre, es in der mittleren Zeile bei lediglich fünf Motiven zu belassen, obwohl hier eigentlich zwei weitere Motive Platz gefunden hätten.
Mit der vorgelegten Interpretation, dass wir es auf Wandstein Nr. 21 in Gavrinis mit den drei Variationen maximal möglicher Eklipsen in Jahren mit gleich drei Finsternisfenstern zu tun haben dürften, wird auch die durchgängige Paarung aller Motive verständlich. Die neun paarigen Anordnungen versinnbidlichen das Prinzip von insgesamt neun Finsternisfenstern, sinngemäß drei Finsternisfenster je Zeile. Zwar ließ sich aus vorgenannten Gründen verständlicherweise nicht jede Zeile auch gleichermaßen mit den dafür jeweils zu erwartenden sechs Motiven bestücken, wie sie die unterste Zeile aufweist. Die oberste Zeile weist ein Motiv mehr, die mittlere ein Motiv weniger auf. Im rechnerischen Mittel aber bleiben es sechs pro Zeile. Dieses Mankos aber eben durch die Paarungen aller Motive wettgemacht. Wobei die zuweilen an Herzen erinnernden Motivfügungen wohl das zweiphasige Prinzip der Finsterniszeitfenster charakterisieren sollten, wonach von einem Rand des Fensters zur Mitte hin der Bedeckungsgrad von Sonne oder Mond zu-, jenseits der Mitte wieder abnimmt.

Damit möchte ich erneut die bereits weiter vorn eröffneten Spekulationen aufgreifen, wonach in der mittleren Zeile zwei weitere Beilklingenmotive geplant gewesen sein könnten, aber unrealisiert blieben. Sinnvoll hätten hier zwei auf den Kopf gestellte, mit der Schneide nach unten weisende Motive ergänzt werden können. Dann hätte die mittlere Zeile besagtes Verhältnis von fünf Sonnen- und zwei Mondfinsternissen präsentieren können. Den nötigen Platz markiert wiederum der rote Kreis in der Abb. Sah so der ursprüngliche Plan aus?
Das hätte, zumindest in Bezug auf meine vorangestellten Interpretationsversuche, aber auch einige Probleme bedeutet! Die Gesamtzahl aller Beilklingenmotive beliefe sich auf zwanzig. Der mutmaßlich beabsichtigte Summenwert 18 wäre praktisch verloren gewesen! Es hätte folgerichtig zehn statt nur neun Motivpaare gegeben. Damit wäre auch das über die Mittelung der Anzahl von drei Motivpaaren je Zeile chrakterisierte Gleichnis für Jahre mit jeweils drei Finsternisfenstern zerstört gewesen. Stünden die beiden zusätzlichen Motive in der mittleren Zeile nicht obendrein gesondert von den realisierten fünf, hätte sich hier der Wert “Sieben” wiederholt. Anders herum käme der Wert “Zwei” hinzu. Ein Wert, der jenseits der Paarbildung bei allen Motiven vielleicht gar nicht gewollt war. Ohne eine solche optische Trennung bliebe die mittlere Zeile siebenwertig. Was die Option, innerhalb der Formation einfach den Summenwert “Elf” abzubilden, völlig zunichte gemacht hätte. Zwar ist keineswegs sicher, dass dieser Wert in der realisierten Version durch den geistigen Schöpfer der drei Motivzeilen intendiert war. Letztlich aber müssen wir das realisierte Arrangement sinnvoll begründet, wollen wir es als logische Information begreifen. Denn eine zufällige, weil rein willkürliche Anordnung der an spitznackige Beilklingenmotive erinnernden Zeichen in voneinander differenzierbaren Gruppierungen ohne tieferen Sinn annehmen zu wollen, wäre vollkommen absurd. Es entspräche dem Tun eines kunstfertigen Kleinkindes, nicht dem eines intelligenten, denkenden, planerisch handelnden, erwachsenen Menschen. Von dem aber müssen wir angesichts der Architektur, Horizontausrichtung und der mit beiden Faktoren ganz sicher ideell verknüpften, inneren Gestaltung Gavrinis ausgehen!
Die Version mit zwei weiteren Zeichen in der mittleren Zeile hätte allerdings auch einen entscheidenden Vorteil geboten. Bei zwei weiteren, kopfgestellten Motive dort, hätte sich jeder der drei Zeilen weitgehend logisch die Zeiteinheit “Jahr” zuordnen lassen! In der realisierten Version ist dies zwar naheliegend, doch keineswegs eindeutig. Gerade hier aber liegt der Hase im Pfeffer bei der inhaltlichen Deutung. Derzeit fehlt generell eine klar erkennbare Zuordnungsmöglichkeit einer bzw. die Möglichkeit zur Differenzierung zwischen verschiedenen Einheiten zum Zahlenwerk. Wobei ich Einheiten der Zeit favorisiere wie Jahre, Monate oder Tage. Die umgebende Motivik bietet diesbezüglich nicht viel Aufschluss. Unterhalb der Keilwinkelformation, bis unmittelbar über den Gangboden reichend, findet sich allerdings ein Motiv, das es, wegen seiner achtzehn oder neunzehn konzentrischen Bögen, genauer unter die Lupe zu nehmen lohnen könnte. Steht es womöglich für “Zeitzyklus”? Falls ja, könnte man etwas bestimmter auch für die Motivgruppe darüber die Jahreseinheit unterstellen.4
Obgleich ich im Interesse der Faktenwahrung meine spekulativen Betrachtungen nicht ausufern lassen möchte, komme ich doch um eine weitere Betrachtung dieser Art nicht herum. Tatsächlich ist es ja allein unser heutiges mangelndes Wissen um die mathematischen und astrokalendarischen Fähigkeiten der Neolithiker, die uns auf diesem Gebiet noch immer zu Spekulationen zwingen. Mir jedenfalls will nicht recht einleuchten, warum uns der geistige Urheber der drei Motivzeilen auf Wandstein 21 einfach nur sein abstraktes Finsterniswissen hätte um die Ohren hauen wollen? Liegt es nicht näher, dass er seinen Zeitgenossen auch das dafür unentbehrliche Grundlagenwissen gleich mit offerieren wollte?
Das Problem dabei ist die schiere Menge mehr oder weniger naheliegender, möglicher astrokalendarisch geprägter Rechenexempel anhand der gegebenen Zahlenwerte 3, 4, 5, 6, 7 und 18. Die resultieren, weil die Zeichenformation keine klar erkennbare Zuordnung von Einheiten zu diesen Mengenwerten erkennen lässt. Selbst wenn wir uns dabei auf naheliegende Einheiten der Zeit wie Jahre, synodische Monate und Tage beschränken wollten, lässt sich mit besagten Mengenwerten und allen Additionswerten aus diesen Beträgen noch immer alles Erdenkliche anstellen. Wollte man sich also wissenschaftlich auf eine solche astrokalendarische Analyse einlassen, wäre gehöriges Fingerspitzengefühl gefragt. Um aber den Leser trotz dieser enormen Unsicherheiten nicht im Dunklen stehen zu lassen, seien hier einige Beispiele angeführt, die ich für eine ernsthafte Diskussion in Betracht ziehen würde. Nicht allein, weil sie direkt oder indirekt mit dem dargelegten Wissen um die Finsternisrhythmik in Bezug stehen, sondern weil sie auf relativ simpler Mathematik beruhen, die man den Himmelsweisen im 4. Jt. v. Chr. in Anbetracht der hier vorglegten Finsterniskenntnisse vermutlich unterstellen darf. Dessen ungeachtet, das sei ausdrücklich betont, bleiben auch alle folgenden Rechenexempel spekulative Interpretationen!

Multipliziert man die ersten drei Motive der oberen Zeile, die klar getrennt von den restlichen vieren stehen, mit den elf Motiven aus Zeile zwei und drei, ergibt sich, letztere nach Tagen gerechnet, mit: 3 x 11 d = 33 d die mittlere Länge eines Finsternisfensters, wie sie damals vermutlich erkennbar war. Was schon auf den Beilen der Salzmünder Kultur von Halle-Radewell und Wallendorf-Wegwitz dokumentiert worden sein dürfte. Obwohl so ein Zeitfenster für Finsternisse heute mit 36 Tagen und Stunden beziffert wird, scheint mir das neolithische Wissen um deren 33-tägige Länge plausibel. Falls ich mich nicht täusche, bezieht sich die heutige Maximaldauer der Limits mit über 36 Tagen auf polnahe partielle Sonnen- oder auf tangentiale Halbschattenfinsternisse des Mondes, die sich stets an den äußersten Rändern der Finsternisfenster abspielen und in neolithischer Zeit nicht wahrnehmbar waren. Zugleich muss ich allerdings auch zu bedenken geben, dass die maximalen Zahlen an bis zu sieben Finsternisse im gleichen Jahr nicht oder höchst selten erreichbar wären, wollte man diese polaren Eklipsen ausschließen. (Dies scheint der wesentliche Schwachpunkte meiner Deutung zu sein, den ich mangels des nötigen astronomischen Verständnisses wie der Berechnung der Einsehbarkeit solcher polaren Finsternisereignisse nicht auszuräumen vermag. Hier muss ich Experten um Hilfe ersuchen!)
Addiert man die ersten drei Beilklingenmotive der oberen Zeile zu den unteren elf, anschließend aber auf dieselbe Art auch die vier dahinter, ergeben sich, bei erneuter Wertung aller Motive als Tageseinheiten: 3 d + 5 d + 6 d = 14 d bzw. 4 d + 5 d + 6 d = 15 d, die zeitlichen Werte für den Mindestabstand zwischen zwei aufeinanderfolgenden Finsternissen in demselben Finsternisfenster bzw. des halben synodischen Mondmonats. Dieselbe Rechnung könnte aber auch als Ergänzung zum achtzehnjährigen Zyklus gedacht gewesen sein, für den spekulativ die insgesamt achtzehn Motive standen. Denn achtzehn Jahre á 365 Tage zuzüglich 14 bis 15 Tage (6584 d bzw. 6585 d) entsprechen fast der Dauer eines Saroszyklus mit 6585 bis 6586 Tagen.
Eine weitere, eventuell denkbare Rechnung basiert einerseits auf dem Umstand, dass zur Symbolisierung der Jahre mit sechs bzw. mit sieben Eklipsen die obere Zeile für sich stand, die beiden darunter sich aber das Paar kopfgestellter Beilklingenmotive in der unteren Zeile teilen mussten. Zeile zwei und drei galten in jener Betrachtung also als zusammenhängend. Vor diesem gedanklichen Hintergrund wäre unter Umständen eine Differenzierung in der Wertigkeit der Motive in der oberen Zeile gegenüber denen der mittleren und unteren Zeile möglich. Andererseits bietet das folgende Rechenexempel auch die Chance, eine Zeiteinheit zu eruieren, welche sich auf die Gesamtzahl der achtzehn Motive beziehen sollte. Eine Rechnung, die im Übrigen ebenfalls unmöglich gewesen wäre, hätte man die mittlere Zeile um zwei Motive aufgestockt! Man könnte in der oberen Zeile die Multiplikation: 3 x 4 = 12 als Produktwert für ebenso viele synodische Monate unterstellen. Übertragen also für den Zeitraum von rund 354 Tagen. Die zusammen 11 Motive darunter aber, hiervon abweichend als Tage gewertet, ergänzten das Ergebnis zur Symbolik des Jahreszeitraums von 365 Tagen. Wobei sich hier wiederum ein höchst passables Beispiel dafür anböte, wie die Menschen im Neolithikum ohne Kenntnis größerer Zahlenwerte dennoch die für sie kalendarisch außerordentlich wichtigen Zeiträume als einfache Produktsummen hätten ausdrücken können.
Eine weitere, ebenfalls im Rahmen des Vorstellbaren liegende Rechnung bsiert auf der Möglichkeit, dass die Motive in Zeile zwei und drei auch Zeiträume synodischer Monate bezeichnen können. Dann würden die sechs Motive der unteren Zeilen zunächst das Grundprinzip des Semesterzyklus der Finsternisse im Rhythmus von sechs synodischen Monaten charakterisieren, die fünf Motive der mittleren Zeile aber die gelegentlichen Sprünge darin, bei denen schon nach fünf synodischen Monaten eine Finsternis möglich ist. Integriert man aber auch die obere Zeile in diese Betrachtung, lässt sich sogar rechnerisch der Octonzyklus der Finsternisse darstellen mit: 7 x 6 synod. + 5 synod. = 47 synodische Monate. Zufall oder Absicht? Hat man vielleicht deswegen auf die strenge Dreizeiligkeit geachtet und ausgeschlossen, dass die mittlere und untere Zeile wie die obere in weitere Teilbeträge zerlegt werden können?
Theoretisch ließe sich auf dieselbe Art und Weise rechnerisch auch der Heptonzyklus darstellen, wenn man den zweiten Faktor mit dem Summanden vertauscht: 7 x 5 + 6 = 41 synodische Monate. Nur besitzt diese Rechnung den Nachteil, dass ja keine Finsternissemester multipliziert werden, sondern Fünfereinheiten. Deshalb scheint mir diese Rechenmöglichkeit eher nicht im Sinne der geistigen Urheber der Nachricht. Dafür hätten sie wohl die Multiplikation von 6 x 6 synod. + 5 synod. = 41 synodische Monate favorisiert.
Wie gesagt, der Rechenmöglichkeiten sind viele. Was davon aber darf man der dreizeiligen Botschaft auf Wandstein 21 in Gavrinis unterstellen?
Vorsichtig resümmierend scheint man bereits im 4. Jt. v. Chr. in Europa die maßgebliche Bedeutung eines rund achtzehnjährigen Intervalls bei den Finsternissen erkannt zu haben. Definitiv wusste man um die etwa halbjährige Distanz zwischen den Finsternisfenstern. Nicht eindeutig ist, ob zur selben Zeit auch die Länge der Finsternisfenster mit 33 Tagen beziffert wurde. Hier ist der Wert 33 zwar rechnerisch darstellbar. Er wurde aber nicht als eigenständiger Wert deklariert, wie auf den besprochenen Exemplaren dekorierter Steinäxte aus der Salzmünder Kultur. Daher bleibt die Annahme entsprechenden Wissens für Gavrinis rein spekulativ. Andererseits suggeriert jedoch das Wissen um die möglichen Maximalzahlen von Eklipsen in Jahren mit drei Finsternisfenstern, das meiner Meinung nach nur auf theoretischen Betrachtungen der Neolithiker basieren konnte, dass eine Bedingung für diesen damaligen Kenntnisstand das Wissen um die ungefähre Länge der Finsternisfenster war. Innerhalb dieser Limits beobachtete man zu Neumond allem Anschein nach auch intensiv die Sonne, um partielle Sonnenfinsternisse festzustellen. Beobachtungen, die bereits früh im 4. Jt. v. Chr. in Europa, wenn nicht deutlich früher kontinuierlich betrieben worden sein müssen. Gerade auch über beobachtete partielle Sonnenfinsternisse muss es weiträumigen Austausch gegeben haben, bei dem man vor allem die Richtungen für zu- bzw. abnehmenden Bedeckungsgrad ermittelte. Was beispielsweie ermöglichte, damals selbst bei beobachteten partiellen Sonnenfinsternissen immer von zentralen Sonnenfinsternissen auszugehen, die als solche allerdings nur irgendwo weit entfernt beobachtbar waren. Erst auf der Basis solcher Erkenntnisse einschließlich des Wissens um lunare und solare Finsterniszyklen wie den Octon war es schließlich möglich, das auf Wandstein Nr. 21 in Gavrinis dargestellte Finsterniswissen anzuhäufen.
6.2.1 Anhang: Tabellen zu Jahren mit mindestens sechs, maximal sieben Eklipsen


Die beiden oben stehenden Tabellen zeigen alle Jahre zwischen 1801 und 2112 mit sechs bzw. sieben Eklipsen pro Jahr. Bei den Sonnenfinsternissen entfallen allerdings fast alle auf partielle Finsternisse. Das heißt, diese waren nur in polaren oder subpolaren Regionen der Erde einsehbar. Wenn also die dreizeilige Botschaft auf Wandstein 21 tatsächlich Finsternisse betraf, kann es sich dabei nur um theoretisch gewonnene Rückschlüsse der Neolithiker handeln, welche man aus der real beobachtbaren Rhythmik der Finsternisse, aus dem Wissen um bis zu drei möglichen Eklipsen pro Finsternisfenster, dem Wissen um deren Länge und der Wiederkehr der Jahre mit drei solchen Zeitfenstern gezogen hatte. Eingedenk der bereits damals erkannten Regel, das zwei partielle Mondfinsternis beiderseits einer zentralen SoFi im gleichen Finsternisfenster ausgeschlossen war. Oder aber die gesamte Theorie zu den achtzehn, spitznackigen Beilklingen ähnlichen Motiven im Kontext der Finsternisse ist eine komplette Fehldeutung meinerseits.
Anhand der Nummerierung der Sarosserien zu denen jede einzelne Finsternis gehört, lässt sich erkennen, wie die sich eine Zeit lang wiederholen, um schließlich abzureißen. Wobei natürlich weder bei den solaren noch bei den lunaren Eklipsen tatsächlich alle Sarosserien abreißen. Vielmehr verschiebt sich insbesondere bei den SoFi wegen der Länge des Saroszyklus von 18 Jahren und rund 11 Tagen ständig die letzte Finsternis in das nächstfolgende Jahr. Gelegentlich endet aber auch der jeweils älteste Saroszyklus (Der mit der niedrigsten Nummer.). Aus beiden Gründen verringert sich dann die Anzahl der Eklipsen von sechs oder sieben auf lediglich noch fünf oder weniger, weshalb die entsprechende Serie in den Tabellen nicht weiter verfolgt wurde. Hier geht es, gemäß Wandstein 21 in Gavrinis, ja nur um Jahre mit sechs oder sieben Eklipsen. Natürlich ist auch das Gegenteil der Fall. Ein neuer Saroszyklus beginnt oder eine SoFi verlagert sich vom Vorjahr in eine Serie mit bisher nur fünf Eklipsen, sodass achtzehn Jahre später in der Serie sechs oder gar sieben Eklipsen möglich sind.
Ganz offensichtlich ist für die besonderen Jahre mit sechs oder sieben Eklipsen die jeweilige Anzahl an SoFi signifikant. Während beim Mond bis auf wenige Ausnahmen fast durchweg auch in diesen Jahren lediglich zwei, meistens zentrale Finsternisse zu verzeichnen sind, bietet die Sonne vier oder gar fünf Ereignisse. Was nichts anderes heißen kann, als dass die geistigen Schöpfer der Botschaft auf Wandstein 21 sich bereits auf eine jahrhundertelange Verfolgung von partiellen Sonnenfinsternissen stützen konnten, die man nunmehr hier auszuwerten vermochte. Es scheint geradezu ausgeschlossen, dass dies damals ohne schriftliche Registraturen über entsprechende Zeiträume hinweg hätte gelingen können. Ich frage mich ernsthaft, ob der Wandstein mit den Krummstäben im “Table des Marchands” eine solche Registratur darstellte?
Was die zwei Tabellen oben ebenfalls deutlich erkennen lassen, sind gelegentliche Sprünge von den rund achtzehn Jahren der Saroszyklen auf lediglich elf Jahre. Im 20. und 21. Jh. zeigen sich ausschließlich diese beiden zeitlichen Distanzen zwischen Jahren mit sechs oder sieben Eklipsen. Im 19. Jh. dagegen häufen sich auch kürzere Zeitsprünge von lediglich sieben Jahren. In einem Fall sind es sogar nur vier, in einem anderen zehn Jahre. Letzterer ist vielleicht eine Fügung aus sieben und drei Jahren?
Worauf ich mit diesem Hinweis hinaus will? Im 19. Jh. beinhalten die zeitlichen Abständen zwischen Jahren mit sechs bzw. sieben Eklipsen ein vergleichbares Zahlenwerk, wie es die drei Zeilen auf Wandstein 21 widerspiegeln, mit den symbolisierten Werte: 3 und 4 sowie deren Summe 7, der Summe 11 sowie der Gesamtsumme 18. Wie auch immer man das zu bewerten haben mag, klar scheint mir, die geistigen Urheber dieser Botschaft hatten zwar erkannt, dass grundsätzlich ein achtzehnjähriger Rhythmus beim Zustandekommen der Jahre mit sechs bis sieben Eklipsen eine Rolle spielt, weil auch die Summe von sieben und elf dem entspricht. Das Prinzip der diversen parallel laufenden Sarosserien aber war ihnen deswegen vermutlich noch nicht geläufig.
Andererseits lässt sich aber ebenso sicher ausschließen, dass sie sich nur für diese besonderen Jahre mit sechs und mehr Eklipsen interessierten. Ohne die durchgängige Verfolgung sämtlicher Finsternisse, also auch aller zwischenzeitlicher Jahre mit lediglich zwei sich öffnenden Finsternisfenstern über viele Generationen hinweg wäre schließlich das hier dokumentierte, theoretische Wissen unmöglich gewesen. Diese besonderen Jahre aber könnten ihnen die orakelhafte Vorhersage vor allem von je zwei totalen Mondfinsternissen erleichtert haben, die, so der sich aus beiden Tabellen ergebende Anschein, mit ziemlicher Sicherheit in diesen Jahren weltweit zu beobachten sein dürften. Da MoFi auf der gesamten Nachthälfte der Erde einsehbar sind, bestanden gute Chancen, in einem solchen Jahr eines der beiden oder gar beider “Blutmonde” ansichtig zu werden. War den Altvorderen aber klar, dass zwei zentrale Mondfinsternisse stets im gleichen Finsternisfenster von zwei partiellen Sonnenfinsternissen begleitet werden können, in einem dritten Finsternisfenster desselben Jahres aber auch ein zentrale SoFi möglich war, entspräche dies bereits dem auf Wandstein Nr. 21 verzeichneten Wissensstand.
Letztlich erhärtet sich aufgrund der Analysen auch der Verdacht, dass in neolithischer Zeit ganz praktische Hilfsmittel oder Techniken zur spezifischen Beobachtung von Sonnenfinsternissen spätestens seit dem 4. vorchrst. Jt. allgemein verbreitet gewesen und angewendet worden sein müssen. Was für mich erneut bei diesem Gedanken die fraglichen “Schalen-” oder “Näpfchensteine” in den Fokus rückt, wie weiter oben ausführlich beleuchtet.
Footnotes
- Quelle: Wikipedia: “Liste der Mondfinsternisse des 21. Jahrhunderts” sowie “Liste der Sonnenfinsternisse des 21. Jahrhunderts”; dort sekundär nach Daten der NASA unter: eclipse.gsfc.nasa.gov.
- Einen solchen Fall mit drei totalen Mondfinsternissen, davon zwei zentrale, gab es beispielsweise 1917. Im gleichen Jahr ereigneten sich vier Sonnenfinsternisse, drei partiell, die vierte ringförmig. Das nächste Ereignis dieser Art ließ sich erst wieder 1982 beobachten, mit drei totalen lunaren Finsternissen, davon die mittlere zentral, sowie mit vier partiellen Sonnenfinsternissen. Nach Wikipedia: “Liste der Mondfinsternisse des 20. Jahrhunderts”, “Liste der Sonnenfinsternisse des 20. Jahrhunderts”, dort sekundär nach Fred Espenack, NASA: eclipse.gsfc.nasa.gov.
- Beispiele für zwei MoFi und vier SoFi im gleichen Jahr wären: 1946, 1964 und 2029 mit jeweils einer zentralen und einer totalen Mofi sowie jeweils vier partiellen SoFi. Daten nach Wikipedia, ebenda: “Liste der Mondfinsternisse des 20 Jh.” bzw. “Liste der Sonnenfinsternisse des 20. Jh.”, “Liste der Mondfinsternisse des 21. Jahrhunderts”, “Liste der Sonnenfinsternisse des 21. Jahrhunderts”; dort sekundär nach Fred Espenack, NASA: eclipse.gsfc.nasa.gov.
- Das Motiv der konzentrischen Bögen ist auf einem ausgezeichneten Foto von Wandstein Nr. 21 zu sehen bei Autor Wolfgang Korn in: “Megalithkulturen – Rätselhafte Monumente der Steinzeit”, Seite 89, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2005. Nur die kleinsten Schlingen im exzentrisch tiefer gelegenen Zentrum der konzentrischen Bögen sind darauf für mich nicht ganz eindeutig verifizierbar. Ebenso sind links außen der siebzehnte und achtzehnte bzw. der achtzehnte und neunzehnte Gang bzw. Kreiswulst nur ausschnittweise vom Graveur angedeutet worden. Alle nach innen folgenden Bögen oder Schlaufen sind vollständig graviert. Auch hier sind also Experten gefragt, die das Bogenmotiv wegen seines möglichen numerischen Aspektes einmal näher inspizieren, um einen eventuellen direkten Bezug zur Keilmotivformation darüber abschätzen zu können.
